Ein offener Brief an das Team von EYP-Austria
Sehr geehrtes Organisationsteam von EYP-Austria,
Am Samstag habe ich mich negativ über die Organisation der Session in Wien geäußert, was mir nicht wirklich gut angerechnet wurde. Deswegen wollte ich meine Beweg- und die Hintergründe meiner Äußerung erläutern.
Warum habe ich gesagt, dass die Session schlecht organisiert war?
Ich glaube, dass dieses Statement sehr stark auf emotionalen Gefühlen bassierte. Zum anderen bin ich noch immer der Meinung, dass die Session nicht gut organisiert war, zumindest aus der Sicht eines non-EYPler. Hier spiele ich auf die Mentalität der Organisation an, denn auch Gespräche mit den Chairs waren nicht erfolgreich, da diese die Mentalität von EYP teilen und gewohnt sind. Ich teilte diese zumindest am Anfang auf keinen Fall. Einige Beispiele:
- Information: Das fehlen von Informationen zog sich das ganze Wochenende, wie ein roter Faden durch das Program.
- Verspätungen: Der Zeitplan war, meiner Meinung nach, viel zu eng gesetzt, wir hatten immer Verspätung und jede Menge Stress, von Freizeit keine Rede.
- Fehlende Vorbereitungszeit: Weder für das GA, noch für die Arbeit im Komittee selbst hatten wir Vorbereitungszeit. Dabei wären die zur Verfügung gestellten Unterlagen wirklich hilfreich gewesen, unmittelbar vor der Session aber nutzlos (zumindest für die Session selbst). Zum Anderen hatten auch nicht alle Delegates die Unterlagen erhalten.
- Essen: Eines meiner größten Probleme war der Umgang mit Nahrungsaufnahme, klingt skurril, ist aber eine traurige Tatsache. Den Delegates wenigstens Zeit zu geben, sich etwas zu kaufen, wäre angebracht gewesen.
Wie ist deine jetztige Sicht über die Organisation?
Am Ende, als doch noch begeisterter EYPler, habe ich den Hauptorganisator noch zur, wie ich es damals erörter habe, perfekten Organisation gratuliert. Dies war auf keinen Fall sarkastisch, sondern wahr. Im Grunde genommen basiert die Mentalität von EYP auf Chaos, Stress, Spontanität, Schlafmangel und Nahrungsmangel. Aus dieser Sicht, und man verzeihe mir bitte eine emotionale Aussage auf Twitter, fand ich die Session wirklich gut organisiert.
Willst du sonst noch etwas los werden?
Ich will mich bei EYP noch bedanken, denn ich bin mir bewusst, dass es sehr leicht ist, die Organisation zu kritisieren, denn ich habe keine Ahnung über den Zeit- und Arbeitsaufwand einer Session. Es gibt ein EYP-Sprichwort: “Man organisiert einmal eine Session, und dann nie wieder”. In diesem Sinne will ich euch noch einmal zu dieser wirklich erfolgreichen Session gratulieren.
Vielen Dank,
Sebastian
You got finnished <3
Schön, dass du dich durchgerungen hast, deinen Unmut diesmal an die Verantwortlichen zu schicken.
Information: Wer nicht fragt bekommt keine Antwort. Der Zeitplan zB wurde Monate vor der Sitzung verschickt. Wann eure Lehrer ihn weitergeben, können wir nicht bestimmen. Was für Informationen meinst du spezifisch?
Zeit: Du machst die Arbeit, für die ein normales Kommittee Monate Zeit hat, in 4 Tagen. Wir in Österreich sind da schon eher fortschrittlich, normalerweise sind es bei Nationals nämlich nur 3 Tage (dh 1/2 Tag TB, 1 1/2 Tage CW, 1 Tag GA).
Vorbereitungszeit: Wir haben die Topic-Infos 2 Wochen vor der Sitzung ausgeschickt. Wann die Lehrer diese weitergeben, liegt nicht in meiner Verantwortung.
Bzgl der GA: Es ist gängige Praxis, das Resolution Typing (was stundenlang dauert, weil das Englisch-Levels bei Nationals in den seltensten Fällen zum Verfassen von Resolutionen reicht) am Vorabend der GA zu erledigen, so dass Delegates ihre Reden in der Nacht schreiben. Dabei kommen wir wieder zum Zeitproblem.
Wir haben zwei mögliche Richtungen: Längere Sessions und kürzere. Letztere bringen die Probleme, die du schon kennst – wenn auch nicht so stark wie die meisten, die 3-Tages-Sessions gewohnt sind.
Wir können auch nicht viel am Zeitplan herumändern. Zu wenig Teambuilding, und ihr seid im Firo-Cycle irgendwo, aber garantiert nicht in der Performing Stage. Zu wenig Committee Work, und die Resolutionen werden schlichtweg schlecht. Zu wenig GA, und ihr habt keine Möglichkeit die Interna und Beweggründe von Resolutionen zu erkennen und kritisieren.
Nun zu den längeren Sitzungen. Eure Direktoren sind einige von wenigen, die euch (und vor allem einem Lehrer) die Teilnahme an der Sitzung gestatten. Je länger die Sitzung, desto unwahrscheinlicher wird es, dass sich Schulen bewerben. Schulen können in ihrer derzeitigen Sparkurs-Situation nicht “einfach so” Lehrern frei geben.
Das war der Standpunkt bzgl der Delegates; zu den Officials: Wir sehen keinen Cent für diese Tätigkeit. Flugkosten werden nicht zurückerstattet. EYP bedeutet finanziell gesehen nur Ausgaben. Wir geben aber etwas, nämlich unsere Leistung und Erfahrung. Ich arbeite 40 Stunden und studiere Vollzeit. Ich habe wegen der Sitzung ein wichtiges Assignment verpasst und muss diese Woche einen riesigen Haufen an Arbeit nachholen. Das ist übrigens auch der Grund, warum es unendlich frustrierend ist, wenn Leute (wie du am Samstag) sich hinter unserem Rücken über uns auslassen.
Wie du siehst, ist die Sache mit der Zeit nicht so einfach wie man meinen könnte.
Bzgl Essen: Wir haben die Verantwortung für euch. Ihr geht nicht einfach Essen kaufen. Punktum.
Bis auf die Matinée sollte auch immer genug Essen dagewesen sein (selbige wurde nicht von uns organisiert, und JEF wusste nicht, dass so viele Leute kommen würden; es waren, wenn ich mich richtig erinnere, etwa 100 Leute mehr da als geplant).
Wir können außerdem nicht einfach mehr zur Verfügung stellen, weil wir, wie du vielleicht gesehen hast, extrem gut mit Geld haushalten müssen. Sponsoren zu finden ist schwer, und eure Teilnahmegebühr (74 Euro für 4 Tage, darum findest du wahrscheinlich in ganz Österreich kein einziges Zimmer – und wir hatten nicht nur Zimmer zu bezahlen) deckt nur ein Drittel unserer Ausgaben. Wenn wir uns nicht ständig ums Geld sorgen machen müssten, wären wir viele Probleme los; oder wenn zumindest die Teilnahmegebühr kostendeckend wäre (sie deckt nämlich nicht mal die Hostel-Gebühren, nicht mal ansatzweise.
Wenn die Teilnehmer bereit wären, 200 Euro zu zahlen, wäre die Situation eine grundsätzlich andere.
Ich habe bei der Opening Ceremony erwähnt, dass EYPer oft wahnsinnige Mengen an Zeit und Geld in dieses Hobby stecken. Der Zeitdruck schweißt einen nur noch mehr zusammen. Und es stimmt schon, ein bisschen Chaos und Wahnsinn gehört dazu.
Erstmals Danke für deine ausführliche Antwort, es freut mich, dass du diese auch ernst nimmst.
-Information: Das kann leicht sein, dass Lehrer ein schwaches Glied in der Informationskette sind. Wobei z.B. 3 Wochen vor der Session telefonisch nachgefragt wurde, ob Beamer verfügbar sind. Nachdem ihr zugesagt habt, war die Überraschung umso größer, als behauptet wurde, dass kein Gebrauch von Beamer oder DVD-Player angemeldet wurde.
-Time table: Du redest da von einer Nacht für die Vorbereitung der GA-Speeches. In unserem Fall waren es 1 1/4 Stunden, die wir noch zusätzlich zum Frühstücken und Auschecken nutzen mussten. Das die Resolutions in der Nacht nicht fertig werden, erfuhren wir übrigens um 1 Uhr. Hier wäre es auch angebracht (wenn das aufwendige Resolution Typing nur unter unserem Sprach-Level leidet) wenigstens ein vorläufiges Resolution Booklet zu veröffentlichen, damit wir uns wenigstens mit den Themen auseinandersetzen können, unabhängig davon, dass sich Formulierungen noch ändern werden. Das bei einer effektiven Vorbereitungszeit von maximal einer Stunde die Qualität leidet, liegt wohl auf der Hand. Ich glaube, Freizeit (unbeliebtes Wort bei EYP vermute ich) würde auch die Qualität steigern…
Der Unterschied zwischen unserer Session, und denen mit “viel mehr Stress” (also 3 Tagen) liegt also in einem halben Tag TB. Dabei kann ich dir versichern, auch wir waren weit von der Performing Stage entfernt.
Für mich persönlich würde ich es ja bevorzugen Schulen hier aus dem Spiel zu lassen. Wobei ich mir bewusst bin, dass das nur sehr schwer möglich ist… Geld, Teilnahme und Verantwortung spielen da sicher eine große Rolle. Lehrer spielen bei EYP sowieso nur eine sekundäre Rolle, denn gerade bei denen herrscht Unmut, dass sie sie am Abend beide Augen zudrücken müssen, damit sie nicht deren Pflichten erfüllen müssen.
Es ist jedes Jahr die gleiche Geschichte: All Teilnehmer sind unglücklich,
- die Organisatoren, da sie nicht genug positives Feedback bekommen da keiner die Hintergründe kennt,
- die Lehrer, denn sie müssen auch vieles auf freiwillige Basis machen und beschweren sich vor allem über die Parties
- die Delegates, denn denen passt es sowieso überhaupt nicht.
Vielleicht wäre es hier an der Zeit, grundlegende Sachen zu verändern. Mir ist bewusst, das ich hier eine Minderheit bin, aber ich zahle z.B. gerne mehr, wenn ich dann wenigstens richtige Verpflegung bekomme. Ich fahre auch gerne auf eigene Verantwortung nach Wien, anstatt euch/die Lehrer zu belasten.
Was du in meinem Artikel vielleicht überlesen hast, ist die Tatsache, dass ich den Arbeitsaufwand und die Leistung, z.B. Sponsoren zu finden, sehr wohl zu schätzen weiß.
Verstehe mich nicht falsch, aber unter manchen Umständen (wobei ihr aus diesen wirklich das meiste heraus geholt habt) fällt es mir sehr schwer, eine Veranstaltung zu genießen, wobei das nicht wirklich eure Schuld ist.