Qualitativer Journalismus in Blogs; Ist das ein Widerspruch?
Ich finde, die Zahl der Blogs, die Wert auf Qualität legen, sinkt ständig. Ich habe immer die Meinung vertreten, Blogismus ist eine Diversifikation von Journalismus bzw. professioneller Mediengestaltung, doch zur Zeit lege ich diese Vorstellung immer mehr ab. Vielleicht übertreibe ich nur, oder konzentriere mich nur auf schlechte Beispiele, aber es kommt mir so vor, als ob Quantität auch auf Blogs tendenziell bevorzugt wird.
Design
Die meisten Blogger, die erfolgreich sind, schwören auf Design, da dieses den ersten Eindruck beeinflusst. Und dieser Eindruck entscheidet maßgeblich, ob Content konsumiert wird. So einfach ist es. Trotzdem finde ich in letzter Zeit Blogs, die diese These beachtendswert ignorieren, und immer öfter endet das in einem Rauswurf aus meinen RSS-Abonnement. Leider.
Das Interessante an Rappelsnut’s Blog ist ja, dass ich an vielen Tagen, an denen ich auf seinen Blog stoße, positiv überrascht bin. Schönes, klares Design. Und am nächsten Tag?
Lieber Bernd, vielleicht habe ich etwas verpasst, aber wechselst du wirklich jeden Tag dein Theme? Ich muss dir leider mitteilen, dass ich es nicht mehr schaffe, deinen Blog zu lesen, da mir die Konsistenz fehlt. Content adequat – Konsistenz, fehl am Platz.
Mein zweiter Punkt bezieht sich auf die Home-Seiten von Blogs, zum Beispiel von den Rebellen. Auch Marcel von Uarrr schwor darauf, auch wir verwendeten sie. Aber Zeiten haben sich geändert, und Design muss sich nicht zwanghaft dem Content anpassen, aber zumindest hervorheben wäre von Vorteil, es sei denn ihr wollt den Content bewusst verstecken. Mit jedem Klick sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ich irgendetwas konsumieren werde.
Vermutlich hat jeder Blog individuelle Designansprüche, damit auch Content mit deren gewünschten Aufwand produziert wird, ohne Design völlig außer Acht zu lassen. Mit dem sollten sich, meiner Meinung, die Blogger von krahoe beschäftigen, denn es sind so marginale Sachen, die den Eindruck eines Blogposts wirklich verbessern könnten.
Content
Beurteilung von Qualität ist bekanntlich subjektiv, deswegen kann ich nur für mich sagen; Quantität definiert Qualität nicht. Ich finde es echt erstaunlich, wenn Blogger Motivation finden 3 Mal am Tag ihre Meinung kundzugeben, trotzdem, ich werde sie nicht lesen. Nicht alle vertreten diese Meinung, denn Blogs wie Nerdcore oder Mister Honk machen genau mit diesem kritisierten Prinzip ihr Geld..
Vielleicht habe ich einfach nur hohe Ansprüche, aber Blogger sind Perfektionisten, und da wird man sehr leicht wählerisch.
Content sollte etwas persönlich sein. Ich hab wenige Themenbezogene Blogs die ich täglich ansteuere. Nur so paar Fotografieblogs halt. Ansonsten sinkt leider immer mehr die Zahl der Blogs die ich gerne verfolge, weil sie höchstens auf “bezahlten” Content umsteigen oder auf “Massencontent” oder einfach verschwinden oder so. Oder einfach ihr Layout mir zu unübersichtlich geworden ist. Bei einen Blog möchte ich gleich von Anfang an wissen: Wo ist A und wo ist B und nicht stundenlang guggen um zb einen Blogroll oder ein About me zu finden.
Hallo Sebastian,
vielen Dank für Deine Kritik. Mangelnde Konsistenz ist sicherlich richtig und beruht in meinem Fall – ganz einfach – auf der wachsenden Unlust am Bloggen in der gewohnten Form. Ich denke schon länger darüber nach, das Blog zu schließen und ein schlichtes Tumblr-Blog zu führen.
Mit der Suche nach einem “idealen” Theme (schwierig, es gibt nur wenige gute) finde ich vielleicht wieder Gefallen am Ganzen – lass mich ruhig ein bissel probieren. So wichtig sind die vielen, kleinen Weblogs wie das Meinige ja nun auch wieder nicht, wir sollten das nicht überbewerten.
@Chrissy: Da gebe ich dir echt recht. Es gibt Blogs, da muss ich den RSS-Feed erst suchen. Ich meine, was gibt es bessere für einen Blog, wenn ich ihn regelmäßig lesen will, und dann verstecken diese den Feed?
Ich glaube hier müssen wir unseren Blog auch noch anders gestalten.
Wenn ich ehrlich bin, es wäre ja auch mein Wunsch unseren Blog persönlicher zu machen, aber das ist schwerer, als ich mir wünsche.
@rappel: Ich habe überhaupt kein Problem, wenn du experimentierst. Nur ich werde deinen Blog nicht mehr lesen. Wie Chrissy oben angesprochen hat: Blogs sollten persönlich sein, und wenn ich auf deinen Blog komme, dann erinnert mich genau gar nichts an dich, früher kannte ich wenigstens dein Layout und habe dich damit identifiziert.
@rappel: Mir geht es da sehr ähnlich wie Sebastian. Jedes mal, wenn ich im RSS-Notifier auf “open all items” klicke und dann meine Tabs durchstöbere frage ich mich: “Wie kommt diese Seite denn in meinen RSS Reader”, nur um dann ein paar Sekunden später festzustellen: “Ach, das ist ja der Rappel…”
Deine Texte und Bilder gefallen mir unheimlich gut, und ich experimentiere selbst auch genug – jedoch offline, da wo ich an meinem heimlichen Hello-Kitty-Theme herumbasteln kann wie ich will und es keinen stört
Puh schwieriges Thema.
Ich glaube jeder sollte wissen was am besten für sich ist und einen Weg finden der am besten zu ihm passt.
Früher habe ich auch öfters mal mein Theme geändert. Hat weder was gebracht noch hat es mich abstürzen lassen.
Liegt vllt. daran das ich eher für mich Blogge und nicht tausende von Lesern habe. Meiner Meinung nach steht Content immer noch vor dem Design, aber ich muss euch Recht geben, Seiten die mir nicht gefallen kommen auch nicht in den Feed Reader. Eigentlich falsch aber das Auge ist nunmal einer unserer wichtigsten Sinne, vor allem im Web.
@rappel: Hehe, deine Antwort gefällt mir. In diesem Zusammenhang kann ich mit dem Stichwort Mikroöffentlichkeit und vielleicht auch noch mit Sascha Lobo dienen.
@Michael: all right. da muss ich mich belesen – diese Ecke des Web’s habe ich lang nicht besucht …
Ich hab mein Theme auf oft geändert